PSEUDOLOGIA PHANTASTICA

Premiere: Mai 2020 Fabriktheater Zürich

Tournée 20/21: ROXY Birsfelden, Südpol Luzern, Theater am Gleis Winterthur, THIK Baden

In Koproduktion mit: Fabriktheater Zürich, ROXY Birsfelden & Südpol Luzern

Künstlerische Leitung: Martina Momo Kunz

Spiel/Stückentwicklung: Benjamin Spinnler, Martina Momo Kunz

Musik: Victor Hege

Oeil extérieur: Michael Finger

Produktionsleitung: Thomas Péronnet

Gefördert von: Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich

UM WAS GEHTS?

In einer Zeit, in der die Begriffe Realität und Fiktion, Echt und Fake, Lüge und Wahrheit ineinander verschwimmen, ja, eine ganz andere Dimension bekommen haben, brauchen wir mehr denn je die Fähigkeit unterscheiden und differenzieren zu können. Bei der täglichen Flut an Informationen, die besonders durch die (Sozialen) Medien auf uns einprallt, müssen wir stets die Abstraktionsleistung erbringen, den Wahrheitsgehalt für uns einzuschätzen und nach Relevanz zu sortieren.

Die Abstraktionsfähigkeit eines erwachsenen Menschen ermöglicht eigentlich, zwischen real und fiktiv zu unterscheiden. Und spielend zwischen Ernst und Spass, News und Werbung, Geschichten und tatsächlichen Ereignissen und den vielen Hybridformen hin und her zu springen und diese bewusst einzuordnen. Trotzdem besitzen wir das tiefsitzende Bedürfnis nach einer „Wahrheit“, welcher wir vertrauen können, einer verlässlichen Quelle, welche uns Orientierung und Richtung vorgibt und hilft Entscheidungen zu fällen, ge- rade in diesen Zeiten des schnellen Wandels.

Im Angesicht der komplexen Gegenwart wenden sich viele Menschen deshalb wieder vereinfachten (politischen) „Wahrheiten“ zu, die gut erzählt sind und Lösungen versprechen. Aber auch Jene, die sich dem absoluten Individualismus verschrieben haben, fernab von kollektiven Visionen oder Utopien, kämpfen mit dem inneren Drang nach einer persönlichen „Wahrheit“, einer gewissen Kohärenz ihrer Persönlichkeit, einer gut erzählten, vertrauenswürdigen, feingestrickten Geschichte, die ihre Identität in Worte und Bilder zu fas- sen vermag, sammelt und verständlich macht.

Denn um die Komplexität unseres Seins annähernd zu erfassen, brauchen wir Vereinfachungen, Verknüpfungen von Ursache und Wirkung und eine Sinn generierende Chronologie von Ereignissen: kurzum, eine gute Erzählung. Geschichten formen unsere Realität und müssen dabei gar nicht „wahr“ sein. Sie bestimmen unsere Beziehungen zu anderen Menschen, zur Gesellschaft, zu uns selber, gestalten unsere Werte: An was glauben wir im Innersten?

Während in Die schmerzfreie Gesellschaft, unserer letzten Arbeit, zukünftige und gegenwärtige, konfliktfreie Wohlfühlblasen im Fokus waren, geht es in PSEUDOLOGIA PHANTASTICA darum, das starke menschliche Bedürfnis nach unterhaltsamen und leicht verständlichen Erzählungen kritisch zu hinterfragen. Und um die Macht, mit der diese Erzählungen ausgestattet sind. Diese Macht ist ein Mittel, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu formen, zu verändern und zu verbessern, und die allenfalls in eine gefährlich manipula- tive Richtung gehen kann.

In PSEUDOLOGIA PHANTASTICA widmen wir uns der menschlichen Imaginationskraft und wie sehr diese unsere Realität prägt. Anhand einer „echten“ Lebensgeschichte eines Hochstaplers werfen sich zwei Schauspieler*innen und ein Musiker in das Feld zwischen Lüge und Wahrheit, Gewissheit und Verlorenheit, Fiktion und Realität und zersetzen dabei ihre eigenen Lebenskonstrukte. In einem Kampf um die Definition von „Wahrheit“, der zwischen fein gestrickter Dramaturgie und absolutem Nonsense pendelt, wirft PSEUDO- LOGIA PHANTASTICA die Fragen auf, wie sehr wir uns der unterschwelligen Glaubenssätze bewusst sind, nach denen wir leben.